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Der Arzt von Stalingrad

Erstes Buch

PAGE 5

»Klemmen«, befahl Böhler, und ich zuckte zusammen. Schnell reichte ich ihm zuerst die eine Klemme, die er an das Bauchfell ansetzte. Vorsichtig schüttelte er sie, um das Bauchfell von den darunterliegenden Därmen zu trennen, und reichte sie dann Sellnow. Ein paar Zentimeter entfernt setzte er die zweite Klemme an. Sellnow hob jetzt beide Klemmen leicht an, und Böhler fuhr mit dem Messer über die entstehende Falte des Bauchfelles. Es klaffte sofort breit auseinander, und nun sahen wir die Bescherung. Grüngelber, stinkender Eiter füllte den Teil der Bauchhöhle, den wir übersehen konnten. Wir alle wussten, was das zu bedeuten hatte. Das war eine Bauchfellentzündung, zumindest in der Blinddarmgegend und offensichtlich von diesem ausgehend. Bisher hatten Böhler und Sellnow ohne besondere Eile gearbeitet, jetzt änderte sich das augenblicklich. Ich reichte dem Chirurgen einen gewöhnlichen Esslöffel, und er holte damit den Eiter aus der Tiefe der Wunde. Dann tupfte er mit angefeuchteten Läppchen und Tupfern die Bauchhöhle aus, so gut es ging.

Sellnow griff mit beiden Händen in die Wunde und legte den Wurmfortsatz, den Appendix, frei. Das Gebilde war dick geschwollen und an mehreren Stellen aufgerissen, perforiert.

»Machen Sie das Eisen glühend«, sagte Böhler zu Pelz. Er nahm mit der Linken den Wurmfortsatz hoch, setzte eine Klemme an, und Sellnow unterband mit einem Stück Seide. Böhler durchtrennte das Gebilde und warf es in den Abfalleimer.

Pelz reichte ihm an einer gewöhnlichen Zange einen dicken, glühenden Nagel. Böhler griff, die Hand mit einem Tuch geschützt, um sie sauber zu halten, nach der Zange und tupfte mit dem heißen Eisen auf den Operationsstumpf. Es zischte und roch scharf nach verbranntem Fleisch. Eigentlich hätte man dieses Sterilisieren des Stumpfes mit einem Thermokauter oder einem Desinfektionsmittel vornehmen müssen, aber es musste hier auch so gehen.

Wie hatte Sellnow vorhin zu mir gesagt? »Das wird weder schwierig noch langwierig.« Wie sollte dieser Kranke jemals die Bauchfellentzündung überstehen, ohne alle pflegerischen Möglichkeiten und ohne herzstützende Medikamente? Es sah wirklich verzweifelt aus, obgleich man sagen konnte, daß die Operation soweit gelungen war. Der Chef war damit beschäftigt, den Stumpf zu übernähen. Sellnow hatte ihm in eine gewöhnliche Nähnadel Seide eingefädelt, und Böhler musste ohne Nadelhalter die Naht durchführen. Ich schaute ihm wie gebannt zu, wie er in höchster Eile, aber dennoch mit großer Präzision die Nähte zusammenzog, und schreckte förmlich auf, als er die Kasalinsskaja anschrie:

»Zum Donnerwetter, nehmen Sie die Maske weg, wollen Sie den Patienten umbringen

Jetzt sah ich es auch. Die Wunde war blau angelaufen. Die Kasalinsskaja hatte zuviel Äther aufgeträufelt, und der Patient war in Gefahr, zu ersticken. Ich griff nach dem Puls und schätzte mindestens hundertsechzig Schläge. Sellnow knurrte mich an:

»Nehmen Sie dem Weibsstück die Ätherflasche weg und führen Sie die Narkose weiter. Zu nichts Vernünftigem sind diese Bestien zu gebrauchen

Ich tat wie befohlen. Die Ärztin überließ mir willenlos Maske und Tropfflasche. Schwankend verließ sie den Operationssaal. Sie hatte offensichtlich vollkommen schlappgemacht.

Die beiden Chirurgen standen abwartend da und beobachteten. Sie konnten nichts tun. Man musste der Natur ihren Lauf lassen und hoffen, dass der Kranke sich von selbst erholen würde. Ich machte zusammen mit Pelz künstliche Atmung.

Wir hatten Glück. Die blauen Lippen und das fahle Gesicht färbten sich wieder, und der Puls beruhigte sich.

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winced; gave a start;
to separate the peritoneum from the underlying intestines
emerging fold of peritoneum
It gaped immediately wide apart.
mess
green-yellow, smelly pus
peritonitis
at least in the cecal area
Now, that changed instantly.
tablespoon
small moistened piece of cloth and pads
abdominal cavity
as good as possible
uncovered the appendix
red-hot
tied up
cut through
waste basket
pair of pliers
protected
to keep clean
(appendix) stub
hissed
Actually, the stub should have been sterilized using thermocautery or disinfected
without any nursing care
heart supporting
It looked really hopeless
although
was successful
to stitch
threaded a piece of silk in an ordinary sewing needle
perform the suture without needle holder
spellbound
sutured
at top speed
but yet
literally startled
Damn it
to kill
became
instilled
suffocate; to choke;
guessed; assumed;
snarled at me
These animals are good for nothing.
I followed his order.
totally broken down
let Nature take its course
artificial respiration
his pale face regained some color
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